Wenn Figuren mehr wissen
- j.tews
- 9. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Manche Figuren sind da, bevor es eine Geschichte gibt. Sie tauchen nicht mit einem Namen auf, nicht mit einer klaren Rolle oder Aufgabe. Eher wie ein Gefühl. Ein inneres Wissen, das sich noch nicht in Worte fassen lässt.
Ich habe früh gelernt, dass Figuren oft mehr wissen als ich. Sie kennen alle Seiten des Plots, lange vor mir und mehr Einzelheiten, als ich bei meinem ersten Entwurf der Geschichte. Und dass sie sich entziehen, wenn ich versuche, sie zu früh festzulegen.

Figuren lassen sich nicht planen
Natürlich kann man Figuren entwerfen. Man kann ihnen Eigenschaften geben, Hintergründe und Ziele. Man kann sie mit Stärken und Schwächen ausstatten, mit einer Vergangenheit und Erfahrungen die erklärt, warum sie sind, wie sie sind. Aber ihre Handlungen lassen sich nicht immer lenken.
Und genau das macht sie für mich menschlich und bringt ihnen Tiefe. In Reaktionen, die nicht geplant waren. In einem Zögern. Oder in einer Entscheidung, die sich falsch anfühlt und gerade deshalb wahr ist. Figuren entwickeln sich nicht, weil wir es beschließen. Sondern weil wir ihnen zuhören.
Vom inneren Leben einer Figur
Was mich an Figuren am meisten interessiert, ist nicht das, was sie tun, sondern das, was sie innerlich bewegt. Die Widersprüche und Zweifel. Das, was sie lieber vor anderen und sich selbst verbergen würden und was sie tun, wenn keine hinsieht.
Oft liegt genau dort der Kern einer Geschichte. Nicht im großen Ereignis, sondern im inneren Ringen darum, wie man mit Herausforderungen, den Gedanken und Handlungen umgeht.
Wenn ich schreibe, versuche ich, diesen inneren Bewegungen Raum zu geben. Sie nicht zu übergehen und nicht zu beschleunigen. Denn Entwicklung braucht Zeit. Und Aufmerksamkeit.

Eine Geschichte wächst aus einer Figur heraus
Auch meine Trilogie Ellas Erbe ist nicht aus einer Idee entstanden, sondern aus einer Figur. Aus einer jungen Frau, die versucht, nach einem Einschnitt in ihrem Leben wieder Halt zu finden.
Lange wusste ich selbst nicht, wohin ihre Geschichte führen würde. Welche Welt sich um sie herum öffnen würde und welche Fragen sie stellen müsste, um sich selbst näherzukommen.
Ich wusste nur: Diese Figur braucht Raum. Und Zeit. Alles andere hat sich erst gezeigt, als ich bereit war, nicht alles über sie zu wissen und doch genug, um sie einzufangen und sichtbar zu machen.
Wenn Figuren sich Zeit lassen dürfen
Bei der Entwicklung von Figuren berühren sich Schreiben und Textarbeit. Manchmal begegnen sie einem in fremden Texten und fühlen sich nicht rund an. Sie sollen zu schnell funktionieren. Und müssen bereits am Anfang wissen, wer sie sind und was sie wollen.
Aber Figuren sind keine Antworten. Sie sind die Fragen. Sie sind das, was sich uns über die Geschichte hinweg erschließt, verzweifeln lässt und mit deren Entscheidungen wir der Handlung begegnen.
Und manchmal braucht es Geduld, um ihnen zuzuhören. Tiefe entsteht nicht, wenn man eine Figur festlegt. Sondern wenn man sie ernst nimmt. Denn wenn Figuren wachsen dürfen, wächst die Geschichte mit ihnen.
Wenn du selbst an einer Geschichte arbeitest und spürst, dass deine Figuren noch Raum brauchen, findest du Informationen zu meiner Arbeit als Schreibcoach und Lektorin auf meiner Website. Natürlich darfst du mich auch gerne persönlich kontaktieren.
Schön, dass du hier warst.
Jana




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