Zwischen Textliebe und Textarbeit
- j.tews
- 2. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Bevor ich schreiben konnte, habe ich Geschichten gemalt.
Mit Buntstiften und Filzern sind so Bilder entstanden, in denen Figuren lebten, die Namen hatten und kleine Konflikte austrugen. Es gab kaum Text dazu – manchmal nur ein paar Worte am Rand – aber die Geschichten waren für mich bereits lebendig.
Ich habe mir Welten ausgedacht, Abläufe, Spannungen und kleine Dramen. Ich wusste, wer dazugehört und wer nicht. Wer stark war und wer sich verändern würde. Das Schreiben kam dann später dazu. Aber das Erzählen war von Anfang an ein Teil von mir.

Das Erzählen war zuerst da
Geschichten haben mich begleitet, lange bevor ich verstanden habe, dass man aus Worten etwas bauen kann. Als ich anfing zu schreiben, fühlte es sich daher wie ein Weiterführen an. Ich setzte nur etwas fort, das ich schon längst tat.
Bis heute ist Schreiben für mich ein Zustand, in den ich eintauche, mich verliere und wiederfinde. Wenn ich schreibe, entstehen Räume. Figuren bewegen sich darin, treffen Entscheidungen, scheitern, wachsen und verändern sich.
Welten zu erschaffen heißt für mich nicht, alles zu kontrollieren. Sondern zuzusehen, wie sich etwas vor meinem inneren Auge entfaltet. Etwas, dass ich für andere sichtbar mache.
Gleichzeitig liebe ich die andere Seite des Arbeitens mit Texten. Das Lesen und genaue Hinsehen. Das Überarbeiten und lektorieren.
Es hat für mich nichts Zerstörerisches – im Gegenteil. Texte zu korrigieren, zu ordnen und zu schärfen fühlt sich für mich wie Aufräumen an. Ich mag diese Nähe zum Text. Dieses langsame Annähern. Und den Moment, in dem ein Absatz, ein Dialog oder eine Figur plötzlich stimmig erscheint und Luft zum Atmen bekommt, weil sie nicht mehr alles allein tragen muss.

Wenn Schreiben und Überarbeiten sich begegnen
In meinem Alltag fließt beides ineinander. Das eigene Schreiben – hinter verschlossenen Türen, leise, manchmal wild und aufregend und selten planbar. Und das Arbeiten an fremden Texten, das mich erdet, schärft und fokussiert.
Beides nährt sich gegenseitig. Das Schreiben beflügelt meine Fantasie und hält meine Neugier lebendig. Während das Überarbeiten meinen Blick für Struktur, Rhythmus und Tiefe schult.
Vielleicht ist es genau diese Verbindung, die meine Arbeit ausmacht: das Wissen, wie es sich anfühlt, mitten in einer Geschichte zu stecken und gleichzeitig die Fähigkeit, einen Schritt zurückzutreten.
Ich schreibe, weil ich Geschichten liebe.Und ich arbeite mit Texten, weil ich glaube, dass sie ernst genommen werden wollen. Nicht perfektioniert. Nicht glattgezogen. Sondern zu Ende gedacht.
Wenn du selbst schreibst und dir für deinen Text einen achtsamen Blick von außen wünschst, findest du Informationen zu meiner Arbeit als Lektorin auf meiner Website.
Schön, dass du hier warst.
Jana




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